Proportionsfreundliche Linienführung

Ich will zielgerichteter nähen und Fehlprojekte vermeiden. Dazu habe ich mich bereits mit Farbtypen beschäftigt und jetzt sind Figurtypen dran.

Für eine vollständig selbstgenähte Garderobe braucht es verdammt viel Zeit. Um keine zu verschwenden will ich überlegter nähen und Fehlprojekte vermeiden. Im ersten Schritt habe ich mich einer Eingrenzung von Farben angenähert und mich dazu mit Farbtypen, Wirkung von Farbe in unterschiedlichem Kontext und dem praktischem Nutzen von Farbe befasst. Hier findet ihr den Beitrag dazu. Der nächste Schritt ist eine Eingrenzung von Schnitten für meinen Figurtyp.

Figurtypen

Zuallererst: No Bodyshaming! Es geht nicht darum zu bewerten wie man selbst oder gar jemand anders aussieht. Es geht auch nicht darum Gewichtsklassen zu kritisieren. Es geht einzig darum wie frau angezogen besser aussieht als nackt – wobei „besser“ allein nach ihrer eigenen Skala zählt.

Das verbreitete System für eine Einordnung von Proportionstypen verlangt einen neutral netten Blick auf sich selbst im Spiegel. Wie stehen Schultern/ Brust – Taille – Hüfte/Po zueinander im Verhältnis? Im Ergebnis darf man sich dann einem Buchstaben zuordnen: X, A, O, H oder Y. Wer da Hilfe braucht, findet auch hierfür freundliche Hilfestellung beim Online Selbsttest, zum Beispiel hier.

Wenn man dem gängigen Schönheitsideal unserer Breitengrade folgen will, ist die X-Figur das Ideal. Jetzt kann die moderne Feministin sagen: „Is mir wurscht!!!“  oder man kann schauen wie man sich diesem Ideal mit proportionsfreundlicher Linienführung annähert. Für alle die zu ersteren gehören: herzlichen Glückwunsch, ihr macht alles richtig und braucht nicht weiterlesen. Ich hingegen bin innerlich (noch) nicht so frei und habe einen kleinen gefallsüchtigen Teufel auf meiner Schulter zu sitzen, der gelegentlich lauter ist als das feministische Engelchen auf der anderen Schulter.

Proportionsfreundliche Linienführung

Ich bin ein A-Typ. Bei Guido heisst das Alles-unten-Mädchen. Klingt nicht so super schmeichelhaft. Um mir das schmackhaft zu machen behaupte ich mal keck das A steht für Amazone, Alphaweibchen oder schlicht Amazing. Um möglichst wenig Teile für die Tonne zu nähen, bedeutet das wiederum , dass bei meiner Kleidung:

1. oben ordentlich was los sein darf – Schluppen, Volants am Auschnitt, gepuffte Ärmel.

Letzten Sommer habe ich da mal richtig übertrieben mit einer gigantischen Carmenrüsche und ich finde, selbst diese eigentlich etwas überdimensionierte Rüsche sieht an mir ziemlich cool aus.

2. Die Taille sollte in Szene gesetzt werden – Abnäher, Raffungen und Gürtel jeder Art.

Dieses Burdakleid habe ich bereits 2016 genäht (die Frisur verrät mich). Der Schnitt sah grundsätzlich ganz nett an mir aus aber zum Lieblingsstück wurde es erst mit der Satinschleife.

3. Röcke dürfen eher ausgestellt sein als schmal verlaufend. Die A-Linie bezeichnet nicht nur meine Figur, sondern ist auch in der Rockform mein Freund.

Bei dieser Variation von Irenes Kleid habe ich einen Tellerrock angesetzt, es kann nie genug Stoff sein.

Irenes Kleid in Flanell

Wie immer gilt hier: Ausnahmen bestätigen die Regel!

Dieses Kleid ist auch schon etwas älter, zählt aber zu meinen Schätzen. Oben ist gar nix los und die Mitte ist geradezu formlos, da es eine Empiretaille hat unter der auch noch Umstandskleidmäßig viele Falten aufspringen aber ich fühle mich darin wie eine Göttin. Genäht schon 2016 und erstmals in Venedig ausgeführt. Letztes Jahr hat es das Kleid sogar in den arg kleinen Wohnmobil Kleiderschrank geschafft und kam zu einem zweiten Bild in Akkrokorinth.

Figurtypen und Masstabellen

Lange habe ich ausschliesslich Burda genäht und die dortige Masstabelle für das Maß der Dinge gehalten. Ein Maß was leider nicht wirklich gut zu den meinen passt. Ich wusste zwar immer, dass Konfektionsgrößen nicht genormt sind, aber kam nicht auf die Idee zu schauen ob es Schnittmusteranbieter gibt, deren Masstabellen besser zu mir passen.

Aktuell möchte ich eine Skinny Jeans nähen und suche nach einem Schnitt dafür. Dabei sind Hüft- und Taillenmaß relevant.

Bei Burda muss ich Hüftmaß 44 wählen und die Taille entspricht einer 40. Ich muss also zwei Größen Differenz überbrücken oder anders ausgedrückt, wenn ich die 44 nähe muss ich zur Taille hin 7 cm wegbasteln.

Geht auch schlimmer. Bei Named Clothing entspricht meine Hüfte bei der Jamie Jeans einer 46 und meiner Taille einer 38 (Hier finde ich keine generelle Masstabelle, orientiere mich also an den Fertigmaßen der Skinnyjeans). Hier müsste ich also sagenhafte 4 Größen überspringen, das bedeutet in der Taille ganze 15 cm wegnehmen. Da könnte ich dann wirklich schon fast neu konstruieren.

Bei Deer and Doe, deren Safran Pants mir unheimlich gut gefällt, liegt nur eine Größe dazwischen und ich müsste nur 5 cm wegbasteln. Echt doof, dass ausgerechnet diese Jeans, die ich von Deer and Doe so toll finde noch nicht als pdf draussen ist.

Damit ist jetzt kein Schnittmusteranbieter generell besser oder schlechte aber eben für jede Figur ist ein anderer  Designer leichter oder eben schwerer auf sich anzupassen. Es kann sich lohnen die Masstabellen der Lieblingsdesigner zu vergleichen!

Und die anderen Figurtypen?

Als Profimassschneiderin müsste ich jetzt zu allen Figurtypen schlaue Tips geben können. Bin aber keine. Daher bin ich schon froh, wenn ich mit meiner Figur schneidertechnisch klarkomme. Gibt es unter euch vielleicht Bloggerinnen, die O-, H-,Y- oder sonstwie proportioniert sind – also Oscarverdächtige-, Holla-die-Waldfee- oder Yeah-Baby-Figuren ihr eigen nennen, einen ähnlichen Artikel verfassen  und hier verlinken möchten?

Ich würde mich freuen wenn wir zu dem Thema eine Art Ringblog zusammenbekommen.

Comments (1)

[…] sollte ich jetzt zur Taille hin ein bis zwei Nummern kleiner werden. In meinem Beitrag zu proportionsfreundlicher Linienführung habe ich mal vorgerechnet welchen Unterschied die verschiedenen Maßtabellen der Desigern machen. […]

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