Wollmantel mit Stehkragen

Ich nenne und verlinke alle verwendeten Materialien, für nichts davon wurde ich bezahlt oder anderweitig entlohnt.

Schon lange habe ich mir vorgenommen, mich an einen wirklich wintertauglichen Mantel zu wagen. Ich weiß nicht was ich mehr scheute, den Aufwand oder die Entscheidung für das richtige Schnittmuster.

 

Portrait mit Mantel

 

Schnittmusterauswahl

Ich bin bestimmt drei Monate zwischen verschiedenen Mantelschnitten hin und her geschwankt. Falls sich jemand in das gleiche Dilemma stürzen möchte, hier mal die beiden die noch in der letzten Auswahl standen:

Der Hemispheric Coat

Der Mantel Ray

Letztlich überzeugte mich die Kombination von Taillierung und Stehkragen bei Burda.

 

Material für den Mantel

Ich wollte unbedingt pinkfarbene Wolle. Kein Mädchenpink und auch kein Lavendellila, sondern genau dazwischen so ein beerig appetitlich, feminin erwachsenes Pink. Fündig wurde ich schließlich bei Hueco. Das passende Futter fand ich bei Zanderino und die Klimamembran bei Aktivstoffe.

 

Mantel Gesamtansicht

Diese Klimamembran war mir enorm wichtig. Normale Wollmäntel sind zwar sehr schick aber oft pfeift der Wind durch und man schlottert sich durch den Tag. Diese Membran soll wind- und wasserdicht sein und dabei trotzdem atmungsaktiv. Spoiler: nach dem ersten Tragen kann ich das definitiv bestätigen!

 

Schnittmusteranpassung

Da so ein Mantel ja ohnehin nicht super körpernah sitzen soll, habe ich sehr kleinteilige Anpassungen gespart und lediglich die Oberteile und Ärmel ein wenig verlängert und meinen üblichen Größenübergang zur Hüfte hin eingebaut.

 

Rückenansicht Mantel

Im Schnittmuster sind zwei Mantellängen enthalten. Ich habe einfach auf meiner Wunschlänge eine Linie dazwischen gezogen. Maßgeblich war für mich, dass einerseits der Hintern verpackt ist, andererseits auch eher kurze Röcke noch hervorschauen. Ich mag es nicht wenn es so scheint als hätte Frau nur Strumpfhosen an.

 

Zuschnitt

Der Zuschnitt trieb mich an die Grenzen meiner Geduld. So ziemlich alle Teile habe ich viermal zugeschnitten: Oberstoff, Bügelvlies (damit bekommt die Wolle etwas mehr Stand und bleibt immer schön glatt), Klimamembran und Futtertaft. Insgesamt 76 Teile hatte ich unter der Schere!

 

Zuschnitt des Mantels

 

Nähen des Mantels

Zuerst habe ich das Bügelvlies auf das Wolltuch aufgebracht. Nicht schwer aber echt langweilig. Immer schön bis 20 zählen und dann das Bügeleisen auf die nächste Stelle setzen. Danach habe ich alle Teile des Aussenstoffs, ausser dem Kragen, miteinander verbunden. Damit die Nähte trotz dieses recht dicken Stoffes schön flach liegen, habe ich alle Nahtzugaben auseinandergebügelt und dann jeweils rechts und links neben der Naht von außen nocheinmal abgesteppt. Eine echt zeitfressende Arbeit aber ich finde die finale Optik ist das durchaus wert.

Dann habe ich die Klimamembran jeweils mit dem Futternaft knapp am Rand der einzelnen Teile zusammengenäht, um diese dann wie eine Stofflage weiterverarbeiten zu können. Nachdem ich auch hier alle Teile zusammengenäht habe, musste ich die Nähte noch mit der Overlock sichern, da beide Materialien stark ausfransten. Abschließend habe ich auch diese Nähte flach gebügelt und einmalig abgesteppt.

 

Futter mit Klimamembran

Schließlich wurde der Kragen genäht und zwischen Aussenstoff und Futter gesetzt. Hier kommt es zur kniffligsten Stelle, da man an den Quernähten durch enorm viele, dicke Stofflagen durchnähen muss. Nachdem die Nähmaschine dort nach jedem Zentimeter wegen Überlastung eine Pause einlegte, brachte der Einsatz der Jeansnadel den Durchbruch.

 

Kragen einsetzen

Dann vorne die Senkrechten schließen und den Mantel wenden. Blieb nur noch der Saum, für den ich mich zu einer blinden Handnaht entschied. Hätte ich doch dabei mal mit Abstand draufgeschaut! Ich habe den Faden viel zu fest gezogen und dadurch kleine Punkte erzeugt, statt einer wirklich unsichtbaren Naht. Aus der Nähe beim arbeiten fiel mir das kaum auf aber mit normalem Abstand betrachtet, ärgert es mich ein wenig.

 

Saum Handnaht

 

Passformkritik

Die Schultern sind an dem Schnitt schon wirklich sehr breit. Selbst mit Blazer darunter habe ich da noch gut Luft. Ich finde das einerseits sehr bequem aber andererseits passt es nicht so recht zur ansonsten schmalen Passform des Schnittes. Da die Ärmel aus zwei Teilen bestehen, könnte man hier aber leicht Abhilfe schaffen. Der Raglanschnitt ermöglicht an dieser Stelle eine einfache Verschmälerung ohne an mehreren Punkten von Ärmel und Schulternaht basteln zu müssen.

 

Seitenansicht Mantel

Die Taillennaht scheint auf den Burdabildern in der natürlichen Taille zu sitzen. Trotz meiner Verlängerung von stattlichen 4cm nur an den oberen Teilen, sitzt die Taille doch sichtbar zu hoch. Manche Frau mag das, allen anderen würde ich hier auch bei durchschnittlicher Körpergröße zu einer Verlängerung raten. Lieber erstmal ein paar Zentimeter länger zuschneiden und bei einer Zwischenanprobe nochmal schauen, ob es so passt.

 

Mantel auf der Mauer

Mir gefällt der Mantel natürlich trotzdem und ich bin stolz wie Oscar auf dieses Prachtstück!

 

Mit diesem Prachtstück gerne dabei beim Du für Dich am Donnerstag und beim Freutag.

Comments (2)

Ich finde den Mantel sehr schick! Die Farbe ist der Hammer und die Idee mit der Klimamembran super. Ich hoffe, du trägst ihn trotz der Passformkritik gern. Auf den Fotos sieht er toll aus. Liebe Grüße, Corinna

Toller Mantel. Sieht super aus!

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