HighWaist Hose Trudi

(Ich nenne und verlinke hier sämtliche Materialien. Für nichts davon wurde ich bezahlt. Als Stammprobenäherin für Schwalbenliebe, erhalte ich ihre Schnittmuster jedoch kostenlos.)

Ich sage gern: Nähen ist weniger Kunst und ganz viel Handwerk. Wie bei jedem Handwerk geht einem dabei das eine besser, das andere weniger gut von der Hand. Während ich mit Stolz sagen kann nahtverdeckte Reissverschlüsse mit links und verbundenen Augen sauber einzusetzen, würden mir Hosen wohl nicht mal mit zwei rechten Händen gelingen. Ich schätze auf dem Grabstein meiner verbeulten Hosen steht irgendwann „Sie hat sich stets bemüht“.

Mein erster Hosenversuch nach Papercut Pattern dieses Jahr war ja ein wenig geschummelt, mörderweit und mit Gummizug. Die zweite Versuch nach Burda zwar körpernah aber mit Ansätzen von Katzenbart und sich verdrehender Hosenbeinnähte. Jetzt der dritte Anlauf sollte mal etwas mehr beeindrucken.

Naja…

Schnittmuster Highwaisthose Schwalbenliebe

Neuer Schnitt, neues Glück – Highwaist Hose Trudi

Schwalbenliebe motivierte mich zu einem neuen Hosenversuch mit dem Schnitt Trudi. Trudi hat ihren Namen von der Oma der Designerin aber ist dabei alles andere als oldschool. Die spezielle Verschlusslösung ist wunderbar einzigartig und die Schnittführung ansonsten sehr gefällig und schmeichelnd. Der hohe Bund verpackt alles in flotter Kurvenlage und das gerade Bein streckt jedes Bein auf optisches Gardemaß.

Dieses Mal nähte ich sogar ein Probemodell! Normalerweise bin ich dafür viel, viel zu faul. Bei Hosen genügt es nur Vorder- und Hinterhose zuzuschneiden und direkt zusammen zu nähen, ohne Über- und Untertritt oder Taschen. Einfach einem Reissverschluss grob in eine der Nähte setzen.

Bei meinem Probemodell wurde schonmal klar, dass ich eine Nummer kleiner nehmen kann. Also eine Nummer kleiner neu zuschneiden, stecken, anprobieren, den Hintern von den Nadeln zerkratzen lassen…und nochmal von vorn. Nicht nur beim Voodoo können Nadeln gemein sein! Es schien mir schon da ein Rätsel, warum ich bei jeder Anprobe erneut einige Zentimeter zuviel hatte, die hatte ich doch eben abgeschnitten!?

Was war ich stolz als ich fertig war und mich das erste Mal angezogen vor dem Spiegel drehte!

Cord – das Arschlochkind unter den Stoffen

Kaum eine Stunde getragen, hatte der Stoff so arg nachgegeben, dass die gesamte Hose wieder zwei Nummern zu groß war. Mit jeder Minute Tragen wurde die Hose gefühlt größer .

Es wurmte mich maßlos, nur fünf Minuten gesehen zu haben wie gut Trudi an mir aussieht, bevor der Stoff mir die Freude verdarb. Also warf ich das Ding nochmal radikal unter die Nähmaschine. Einfach an allen Nähten zwei Zentimeter weg. Nix messen, nix stecken – schlimmer geht ja nicht. Also locker zwei Nummern kleiner gemacht. Ich vermute ich hätte die Hose für dieses Material etwa drei Nummern zu klein zuschneiden müssen. Aber am Ende kam mein Hintern wieder zum Vorschein. Eine kleine blöde Falte habe ich mir leider reingenäht, ausgerechnet vorne in der Mitte am Bund. Nicht zu ändern, ohne durch Auftrennen auch noch Löcher im Stoff zu riskieren, das bleibt jetzt wohl so.

Aus Sorge der Stoff könnte es sich nochmal anders überlegen, zog ich die Hose direkt zu meiner abendlichen Verabredung an. Ich war mit meiner lieben Schwägerin zu einer Artnight verabredet. Dabei malt man mit ein bißchen Anleitung und ein bißchen mehr Alkohol ein Bild nach. ( An dieser Stelle schönste Grüße an die beiden Bayerinnen, ich hoffe ihr hattet noch einen wilden Berlintrip!) Zur Einstimmung auf diesen künstlerischen Abend, ließ ich meine Schwägerin dort vor der Tür ein paar Bilder machen.

Hosenschnittmuster Highwaist

Solange die Hose noch halbwegs wie der Ursprungsschnitt aussieht.

Durch mein wiederholtes enger machen an Po und Oberschenkel, wobei ich ab Knie immer zur ursprünglichen Linienführung zurück ging, habe ich eher einen Bootcut. Das Original hat ganz gerade geschnittene Beine. Ich finde zum roten Cord passt das aber ganz gut, deswegen darf das ganz absichtlich so bleiben.

Schnittmuster Hose

Immerhin die Heckansicht ist so wie sie sein soll: fulminant feminin!

Wobei mich beim Anblick der Bilder der Verdacht überkommt, ich sehe schon wieder an den gleichen Stellen Falten…

Ich werde jetzt noch ein wenig den herrlichen Leinenstoff streicheln und versuche meine Ladehemmung für den nächsten Trudianlauf zu überwinden. Dieser tolle Schnitt hat noch eine bessere Umsetzung verdient!

Wieder dabei beim Du für Dich am Donnerstag und den Creative Lovers.

Comments (3)

Schade, dass der der Cord dich so geärgert hat. Das Rot steht dir nämlich wahnsinnig gut. Gruß Anke

Haha, die Hose ist absolut toll! Das rot steht dir super!
Ich verstehe dein „Hosennähproblem“… ich nähe zwar sehr gern Hosen, aber das Anpassen, bis einmal alles halbwegs sitzt ist ganz schön mühsam und irgendwo gibt es immer Falten, die dort nicht sein sollten ^^
Übrigens liebe ich eigentlich Hosen aus Cord im Herbst und Winter und das Problem, dass der Stoff so sehr nachgibt habe ich gar nicht, aber dafür reißen die Nähte wahnsinnig schnell… Trotz akribischem Versäubern, Verstärken der Nahtzugaben etc. – bei genähten sowie bei gekauften Hosen. Deswegen mache ich für Hosen auch einen Bogen um das Material.

Ganz liebe Grüße
Iris

[…] erster Versuch aus Cord gelang nur so mittelgut aber da ich mich dabei der perfekten Passform wieder ein Stück angenähert […]

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