Kirsten folgt dem Sew Along zu Ermine

Eigentlich wollten Kirsten und ich letztes Jahr ganz viel zusammen nähen. Hat so gar nicht geklappt wegen…ihr wisst schon. Also hatte ich Im Herbst einen ausführlichen SewAlong geschrieben für die Bluse Ermine, die Kirsten gerne nähen wollte. Den Beitrag findet ihr hier…

Nun endlich kam sie zum Nähen und berichtete wie es so war als Näheinsteiger die erste Webwarebluse ganz allein zu nähen.

Bluse Ermine Sew Along

Liebe Sam,

Mein Fazit möchte ich gleich vornan stellen: ich möchte bitte noch ein Sew Along. So selten habe ich wirklich Zeit und darf mich mal den ganzen Tag um nichts, aber auch wirklich nichts anderes kümmern, als um mich selbst. Dann etwas zu lernen, mit meinen Händen zu erschaffen und das auch noch für mich, ist so unbezahlbar. Dies ist dann eine perfekte Alternative zum „Komm wir treffen uns und ich bringe Dir das Nähen bei!“ (Aber ich weiß ja, dass Du beim Erstellen des Sew Alongs fast mehr Arbeit hattest, als ich beim Befolgen der Schritte.)

Eine kleine Entschuldigung muss sein

Es hat leider Äonen gedauert und unzählige Anläufe, bis ich mich an die Ermine gesetzt habe. Es sollte so viel früher geschehen. Wenn man jemandem bzw. etwas die Schuld daran geben mag, dann dieser verdammten Pandemie. Gepaart mit einem kräftezehrenden Arbeiten im Home Office und einem nicht minder kräftezehrenden 4-jährigen.  Der Kleine klebt plötzlich wieder so an mir und möchte neben dem Home Office auch noch bespaßt werden. So konnte ich in meinen freien Minuten danach einfach nur noch dröge dasitzen. Du kennst das ja selbst. Jetzt aber Schluss mit dem Gejammere

Die Stoffwahl

Wenn mir bereits eines in den Lehrstunden mit Dir ins Blut übergegangen ist, dann dieses: bitte qualitativ hochwertigen und für das Nähprojekt geeigneten Stoff auswählen. Aber oh Gott war das schwer! Icke, alleine, guten Stoff kaufen, mit Farbe drin und zu Ermine muss er auch noch passen…  Aber was soll ich Dir sagen, ich wurde zur Jägerin und nachdem ich 2 Stunden auf der Pirsch war, habe ich tatsächlich in den Tiefen des World Wide Web eine Viskose-Leinen-Webware erlegt. Sie sprach das kleine Heideröschen in mir an, das so unheimlich gerne in der Meeresbrise sitzt. So ähnlich war zumindest meine Assoziation bei Sichtung des Stoffes. Du warst gleichwohl begeistert und so ging es nun ans Zuschneiden und das lief wortwörtlich wie Butter. Dieses Gefühl hatte ich beim Zuschneiden noch nie. Herrlich!

Stoffwahl

Ermine nähen

Ich konzentriere mich in diesem Beitrag hauptsächlich auf die Schritte, die mir Probleme bereitet haben oder die mir gut geglückt sind, damit der Text nicht ausufert und Du weißt, was mir das meiste Unbehagen bereitet und die meiste Geduld abverlangt hat.

Die Brustabnäher waren dank Deiner Beschreibung sehr leicht umzusetzen und das Ergebnis sitzt genau dort, wo es sitzen soll. Es ist wirklich essentiell, das Schnittmuster dahingehend zu prüfen, ob der Brustabnäher auch wirklich für den eigenen Körper passt.

Sehr leicht umzusetzen waren auch die französischen Nähte. Ich habe immer gedacht, diese seien schwer, dabei sind sie das mitnichten. Man näht einfach nur zwei mal und spart sich das elendige Versäubern. Ich finde diese Lösung sehr angenehm und der Zeitaufwand ist auch nicht viel höher, als beim Versäubern mit Zickzackstich.

Nicht wirklich geglückt ist mir allerdings der Ausschnitt. Er ist irgendwie so weit und auch der Belegstreifen steht ab. Ich weiß nicht genau, warum das so ist. Hier musst Du bitte ein Auge darauf werfen und mit Deiner Expertise eine mögliche Lösung und Verschönerung ersinnen. Denn ich fühle mich unwohl in der Bluse mit diesem Ausschnitt.

abstehender Ausschnitt

Das Kräuseln der Ärmel hat großen Spaß gemacht und auch hier hat mir Deine Anleitung die Angst davor genommen. Ein wenig problematisch für mich war es jedoch, die Gleichmäßigkeit der Kräusel zu bewahren. Mitunter ist mir einiges verrutscht. Möglicherweise gibt es hier noch einen Trick oder aber, ich muss mich beim nächsten Mal einfach in Geduld üben.

Der nächste Schritt, der mir zusetzte, war das Schließen der Seitennähte. Ich muss zugeben, dass ich hier ganz gewiss nicht sauber gearbeitet habe. Ich bin zwar nicht grobmotorisch veranlagt, aber diese winzigen Breiten liegen mir einfach nicht. Ein Foto von diesem Dilettantismus möchte ich den werten Lesern ersparen…

Auch das Annähen des Saumbundes hat mich an meinem IQ zweifeln lassen und hat mich satte drei Versuche und viele aufgetrennte Nähte gekostet. Grund ist mein manchmal nicht sehr gut ausgeprägtes logisches Denken, wenn es um das Nähen geht und ein mitunter fehlendes Vorstellungsvermögen, wo welche Seite sitzen soll. So habe ich zunächst das komplette Bündchen geschlossen, bis mir einfiel, dass dieses doch mit Knöpfen geschlossen wird. Aus Fehlern wird man klug, ärgern sollte man sich daher nicht allzu lange. Ich weiß auch nicht, ob ich das Annähen des umgestülpten Bundes richtig vollführt habe. Es sieht nicht falsch oder schlimm aus, daher bleibt es jetzt so.

Gibt es eigentlich eine Eselsbrücke für das Anbringen von Knopflöchern? Ich kann mir einfach nicht merken, auf welche Markierung ich achten muss, damit die Knopflöcher auf derselben Höhe sitzen. Bei dieser Bluse ist das nicht so tragisch, da die Knöpfe an der Seite kein Blickfang sind. Wäre es jedoch eine Knopfleiste am Vorderteil gewesen… Oh oh! Gar nicht gut.

Ermine

MEINE Ermine

Und hier ist sie nun: meine eigene Ermine! Für meinen ersten Sew Along, ohne Deine direkte Hilfe hinter oder neben mir zum Befragen bei aufkommenden Unsicherheiten oder für Kniffs und Tricke, ist sie mir doch trotz aller Unzulänglichkeiten super gelungen, oder?

Ja, ich habe Fehler gemacht, aber bekanntlich wird man aus Fehlern klug, der Stoff und der Schnitt haben sie mir größtenteils verziehen und ich lerne ja noch. Auf jeden Fall hat mir dieses Nähen Lust auf mehr gemacht: zum Einen auf ein generelles mehr für mich selbst nähen und zum anderen auch ein mehr Webware vernähen. Noch nie fiel mir das Vernähen eines Stoffes so leicht, da es mir dieser Stoff leicht machte. Sicherlich ist es bei anderen Materialien wieder anders, aber ich bin gespannt, was mich so alles erwartet.

Und ja, ich muss genauer arbeiten, als das beim Nähen von Kinderkleidung nötig ist.

Und ja ja: ich sollte mir mehr Zeit für mich und meine Projekte nehmen. Aber seien wir einmal ehrlich: wem fällt das mit einem (kleinen) Kind in der aktuellen Zeit eigentlich leicht? Aber es wird besser werden…

Bleib gesund, bleib positiv und denk schon mal in freudiger Erwartung an den Frühling!

Sei lieb gegrüßt

Kirsten

P.S.: Kannst Du die Sache mit dem Ausschnitt „gerade biegen“? Merciiii.

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Liebe Kirsten, nichts ist verloren

Als Hobbyschneiderin gelangen die wenigstens von uns jemals zur vollendeten Perfektion. Ich mache immer wieder Fehler, die später arg sichtbar sind und mich davon abhalten würden ein Kleidungsstück tatsächlich zu tragen.  Ob nun Passformmangel oder Verarbeitungsfehler, Kleidung, die ich nicht trage, hat keinen Platz in meinem Schrank. Für viele dieser Fehler gibt es aber Möglichkeiten es noch zu korrigieren. Stoff ist ein recht dankbares Arbeitsmaterial und lässt vieles durchgehen. Also nicht zu schnell hinwerfen wenn etwas nicht gelingt!

Schon gar nicht wo doch deine Ermine insgesamt so zauberhaft geworden ist!

Die Sache mit dem Fadenlauf

Was stört hier? Der Ausschnitt steht leider unschön ab, anstatt sich ans Dekolleté zu schmiegen.

Woran liegt das? Der Belegstreifen wird hier als gerader Streifen zugeschnitten, der dann an einen leicht gerundeten Ausschnitt genäht wird. Das funktioniert nur unter einer Vorraussetzung, dass der Streifen schräg zum Fadenverlauf zugeschnitten wird.

Was bedeutet das genau? Ein normales Gewebe besteht aus Kett- und Schussfaden, die im rechten Winkel zueinander verwebt sind. Wenn die Fäden selber nicht elastisch sind, ist es der Stoff im Fadenlauf also auch nicht. ABER gerade bei eher locker gewebten Stoffen, wie diesem Batist, bleibt dennoch eine gewisste Elastizität wenn man den Stoff im 45 Grad Winkel zieht. Das nennte man schräg zum Fadenlauf. Diese geringe Nachgiebigkeit führt dazu, dass sich schmale Stoffstreifen eben doch in eine Kurve legen lassen und bei der Verarbeitung zum Belegstreifen  zu einem schönen Ausschnitt führen.

Tja und liebe Kirsten, du hast leider NICHT schräg zum Fadenlauf zugeschnitten. Zählt als Lehrgeld 😉

Andererseits hast du einen Satz in Schritt 4 überlesen. „Ein letztes Mal umlegen, so dass der Streifen komplett innen liegt, feststecken und nähen.“ Ich werde das nochmal deutlicher formulieren müssen.

Rettung

Ist hier einfach, wir legen den Streifen noch einmal nach innen und steppen ihn fest. Das was 2cm näher am Hals zuviel Weite ist, ist 2 cm weiter weg vom Hals schon viel besser passend. Damit ist zwar eine Naht mehr am Stoff aber das sieht man ja nicht mehr. Statt dessen haben wir jetzt auch nicht mehr das unterbrochene Muster am Ausschnitt.

Zum Abschluss machen wir uns zu Nutze, dass  Leinen, woraus deine Bluse teilweise besteht, bei Hitze gerne einläuft. Ordentlich Dampf auf den Ausschnitt und der Rest der mangelnden Flexibiltät durch den falschen Zuschnitt löst sich in Wohlgefallen auf.

Ausschnitt steht ab
Vorher
Ausschnitt Korrektur
Nachher

Tips und Tricks

Zu deinen anderen Stolperstellen habe ich natürlich auch noch kleine Kniffe.

Knopflöcher positionieren

Ich mache ja immer mehrere Testknopflöcher, um zu schauen welche Einstellungen der Maschine am besten zu Stoff und Knopf passen. Dabei schaue ich auch in welchem Abstand die Knopflöcher zur Stoffkante sein müssen. Es sieht zum Beispiel doof aus, wenn ein Knopf so groß ist, dass er am geschlossenem Kleidungsstück über die Stoffkante herausragt. Habe ich die richtige Stelle gefunden, markiere ich mir mit Washi Tape wo die Stoffkante unter dem Knopflochfuss liegen muss. Geht auch mit normalem Klebeband oder einem Magneten. Was du halt da hast.

Knopflöcher positionieren

Kräuseln

Wenn das Kräuseln nicht gleichmäßig gelingen will oder die Kräuselung sich beim festnähen immer wieder verschiebt, ist Framilastic die Lösung. Ein transparentes Gummiband, welches man in der Länge auf die das Stoffstück gekräuselt werden soll zuschneidet und dann gedehnt auf die Gesamtlänge des Stoffes annäht. Hierbei am besten etwas mehr Nahtzugabe zuschneiden, damit man den Stoff komplett unter den Nähfuss lege kann. Dann verrutscht es nicht so schnell wenn man beim Nähen gleichzeitig das Band dehnt.

Framilastic

Schmale Rollsäume

Manche hassen ihn, ich schwöre drauf – der Rollsäumerfuss. Der Rollsaum der Nähmaschine ist nicht zu verwechseln mit dem Rollsaum der Overlock. Der Rollsäumerfuss enthält eine kleines Gewinde durch den der Stoff zweimal umgelegt wird, bevor die Nadel auf ihn trifft. Funktioniert nicht mit jedem Stoff aber mit Batist oder anderer leichter Webware ziemlich gut. So schmale Säume bekomme ich sonst nicht hin. Auf jeden Fall mit dem Rollschneider vorher jegliche abstehenden Fäden abschneiden und an einem Reststück üben.

Rollsaumfuss

Abgesehen davon, finde ich übrigens ist dir diese Bluse ganz hervorragend gelungen und ich mag die Kombination von Schnitt und Stoff sehr gerne an dir! Hoffen wir auf ein baldiges Frühjahr und viele Gelegenheiten das schöne Stück auch ausserhalb der eigenen vier Wände zu tragen.

Schönste Grüße,

Sam

Ermine an Kirsten

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Schnittmusteranpassung Vorderhose

Für den Einstieg eine Bluse ganz ohne Verschlüsse?

Die Bluse Lison von Republique du Chiffon mag ich gerne empfehlen:

Oder eine subtil verführerische Wickelbluse?

Die Anderson Bluse von Sew Over it, ist auch einen Blick wert.

Anderson Blouse

Damit sind wir dabei beim Du-für-Dich am Donnerstag.

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