9. Der erste eigene Pullover – mit Knopfleiste

 

Mein erstes Nähwerk

In dieser Corona-verrückten-Zeit, die ihr alle und auch wir hoffentlich gut und unbeschadet überstehen, habe ich eine etwas andere und wunderbare Nachricht. Es hat lange gedauert, aber ich habe es getan oder nee: wir haben es getan – mein allererstes für mich selbstgenähtes Werk. Es ist ein wunderschöner, den Frühling weckender und tatsächlich zu mir passender Floki von Schwalbenliebe.

Dieses Mal habe ich keinen Brief verfasst, sondern einen kleinen Bericht über unser Näh-Event.

 

Vor ein paar Wochen, ich glaube es war das letzte Wochenende vor dem Aufruf zum Social Distancing, war es endlich so weit. Sam und ich haben uns zusammengetan, die Kinder wurden aufeinander oder eher miteinander losgelassen und wir haben uns an die Arbeit gemacht.

 

Zuschneiden

Schon beim Zuschnitt gab es für mich überraschend viel zu lernen – das war unendlich hilfreich für das, was da noch kommen mag und wird.

Den Schnitt hatten wir bereits vor Äonen fertiggestellt und auf meinen Körper angepasst (siehe Blogbeitrag dazu). Für den Zuschnitt haben wir nun eine schöne große und ebene Fläche gewählt und den vorgewaschenen Stoff vor uns ausgebreitet. Vorgewaschen, damit man beim ersten Waschen keinen bösen Schrecken erlebt, sollte der Stoff einlaufen. Das muss ich mir unbedingt hinter die Ohren schreiben. Ich habe bisher keinen einzigen Stoff vor dem Vernähen gewaschen. Mein ausgewählter kleiner Schatz behielt nach dem Waschen sowohl Farbe als auch Form und sieht auch nach dem zweiten Waschen immer noch aus wie ein duftender strahlender Hibiscus in den Tropen.

 

Zuschnitt mit Malerfolie

Eine ganz großartige Erfindung für alle, die so kleine „Schneideidioten“ wie ich sind und bei einem Schnitt ohne Nahtzugabe irgendwas kreieren, bloß keinen sauberen Schnitt, gibt es eine wunderbare Erfindung mit dem klobigen Namen „Parallelkopierrad“. Damit kann man exakt am Schnittmuster entlang „radeln“ und mit einem, je nach geforderter Nahtzugabe gewünschten Abstand, das Schnittmuster mit Kreide auf den Stoff übertragen. So gelingt dann auch das Ausschneiden.

 

Prym Parallelkopierrad Nahtzugabe

Beim Zuschnitt haben wir eine Nahtzugabe von 1,5 cm gewählt. Warum? Nun, ich hab Schultern wie ein Kerl und sie sind somit breiter, als es der Schnitt vorsieht. Bei der Zwischenanprobe, bevor es ans Einnähen der Ärmel ging, hatten wir festgestellt, dass das doch recht knapp und eng werden könnte. Und hier kam nun die großzügige Nahtzugabe ins Spiel, denn: wir haben die Ärmel nun nur einen Nähfuß breit eingenäht und der ist ja meist weniger als 1 cm breit. So haben wir auf jeder Seite einen 3/4 cm gewonnen und ich war beruhigt, dass ich Bewegungsfreiheit haben würde.

Endlich Zusammennähen

Es wäre müßig Euch hier Schritt für Schritt zu erklären, was wir gemacht haben, denn das steht im Grunde in jeder guten Anleitung zum Schnittmuster und man hangelt sich Schritt für Schritt daran entlang. Aber einige der essenziellen Dinge, die ich gelernt habe, sind die folgenden:

 

  • Man sollte möglichst exakt und sauber arbeiten. Wenn man dazu eine falsch genähte oder unsaubere Naht wieder auftrennen muss, dann ist das eben so und sollte nicht frustrieren. So wird man mit schönen Nähten belohnt, die keine Tüten oder Wülste produzieren.
  • Das vordere Oberteil meines Nähstückes weist einen schönen Faltenwurf auf, damit sich der Blick auf das Obenrum und nicht auf den dicken Bauch konzentriert. Die Falten legt man jeweils mit der Faltenkante vom Ausschnitt aus in Richtung Arm und steckt diese mit der Nadel fest. Man näht diese Falten dann mit einer Hilfsnaht innerhalb der Nahtzugabe und knapp am Rand des Stoffes fest, so dass die Falten beim weiteren vernähen nicht mehr verloren gehen.

 

Pullover Floki mit Knopfleiste
  • Angstthema Knopflöcher: vor dem Nähen der Knopfleiste faltet man ein Reststück des Stoffen genauso, wie die Knopfleiste aussehen soll und macht quasi einen Knopfloch-Test mit der Nähmaschine – gelingen sie oder braucht der Stoff eine Einlage für mehr Stabilität? Prüft vorher unbedingt den Unterfaden der Maschine, denn es wäre äußerst ungünstig, wenn der plötzlich alle ist, aber das Knopfloch noch gar nicht fertig ist.
  • Ansonsten sind Knopflöcher wirklich sehr einfach, denn diese macht im Grunde die Nähmaschine. Worauf man achten muss, ist ein genaues Maß, was die Abstände der Knöpfe in der Längsachse und was den Sitz der Knöpfe in der Breite der Leiste angeht. Für jede Nähmaschine gibt es ein Knopflochfuß, der mit nur einer Naht das Knopfloch für Euch fertigstellt. Man muss die Mitte nachher nur noch mit dem Nahttrenner vorsichtig auftrennen.

 

  • Es gibt da so ein Zaubermittel um nicht so kurvigen Körpern dann doch noch ein wenig Taille zu zaubern: Abnäher. Diese setzt man am besten am Körper selbst und lässt jene des Schnittmusters außer Acht. Hierzu hatte ich natürlich die Hilfe der besten Lehrerin der Welt, die exakt gesehen hat, wo ich welche Abnäher benötige. Nach dem Abstecken kommt ein stetiges Anprobieren, um zu sehen, ob auch alles passt und die Abnäher auch wirklich richtig sitzen. Das zwickt mitunter ein wenig, jedoch erhält man so ein wirklich auf die eigene Figur passendes Nähwerk. Da lohnen sich auch die wenigen Nadelpiekse.
  • Es gibt eine gute Faustregel: den Abnäher 3x so lang in jede Längsrichtung wie er tief ist. Nochmal in etwas leichter: wenn Euer Abnäher 2 cm in der Breite wegnehmen soll, so muss er nach oben und unten wenigstens 6 cm lang sein, sonst entstehen „Tüten“ und das sieht nicht schön aus. Ausnahmen kann man zum Poppes hin machen, wenn er denn zur pralleren Sorte gehört. In diesem Fall, wenn also der Hintern auf den Abnäher treffen würde, müsst ihr den Abnäher nicht so lang machen.
  • Steckt alle Abnäher, die ihr setzen wollt (Vorder- und Rückteil, Seitennähte) gleichzeitig, denn erst wenn alle zusammen ein harmonisches Bild abgeben, sollte ihr sie nähen. Das Motto lautet hier: anprobieren, anprobieren, anprobieren!!! 

Was bleibt mir sonst noch zu sagen? Nun, schaut Euch einfach das Ergebnis an! Ich finde es sehr gelungen und muss ehrlich sagen: nie im Leben hätte ich gedacht, dass mir große Blumen in Farbe stehen.

 

Unser nächstes Projekt wird nun ein passender Rock. Ich im Rock: das gab es schon sehr lange nicht mehr.

 

Der Weg zum eigenem Kleidungsstück

Wer vielleicht erst mit diesem Beitrag zu uns gefunden hat, dem möchte ich gerne nochmal sagen: Jede kann das! Wir haben uns ganz viel Zeit genommen (Stichwort: berufstätige Mütter) und haben uns in ganz kleinen Häppchen  vorgetastet. Hier sind wir gestartet.

Bleibt gesund und bleibt zu Hause bzw. in weiter Feld und Flur ohne viele Menschen um Euch herum.

 

Kirsten

P.s.  Falls ihr auch brav Zuhause bleibt und kurz vorm Lagerkoller steht, lasst euch doch von uns zu einer kleinen Kreativchallenge herausfordern! Mehr dazu hier:

Wieder dabei beim Me Made Mittwoch – der Linkparty für Hobbyschneiderinnen.

Comments (2)

Der Pulli ist echt toll geworden udn der geählte Stoff wunderschön.

VG Anke

Das Gefühl von Freue und Stolz kommt rüber und erinnert mich an meine ersten Schritte, die noch garnicht so lange her sind… Toll schaust du aus in dem Muster! LG Sarah

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